So erledigen Sie Ihre Arbeit rechtzeitig!

Hannes Rehbein

Der Kaffee muss gekocht werden, das Büro aufgeräumt werden, dem netten Kollegen aus dem Büro von nebenan muss zu seinem Geburtstag gratuliert werden oder der neue Drucker muss eingerichtet werden. All diese Aufgaben scheinen einem manchmal auf einmal viel bedeutender und wichtiger, als die eigentliche Arbeit. Das Aufschieben von unangenehmen Aufgaben ist menschlich und natürlich. Doch inzwischen leiden rund zwanzig Prozent der Erwachsenen an chronischem Aufschieben, der Prokrastination. Es gibt hierbei Unterschiede zwischen dem strategischen Aufschieben und dem irrationalen Aufschieben, welches oft zu Unzufriedenheit führt. Schieben Sie Ihre Aufgaben weitblickend auf oder weil es für Sie in dem Moment einfacher und bequemer ist?

Generell schiebt jeder Mensch Aufgaben vor sich her. Problematisch wird es für Sie erst, wenn das Aufschieben zur Routine wird und das Ausmaß stetig ansteigt. Man unterscheidet hierbei zwischen Erregungsaufschiebern, also Personen, die den Adrenalinkick bei knapper Abgabe Ihrer Arbeit genießen, und Vermeidungsaufschiebern, die aufgrund des Selbstschutzes die negativen Gefühle, welche mit der Aufgabe verbunden sind, vermeiden wollen. Viele Menschen empfinden das Aufschieben von Aufgaben zunächst als befriedigend, da Gefühle wie Langweile, Überforderung und Angst somit erst einmal in den Hintergrund gestellt werden. Dennoch fühlt es sich, wenn man stattdessen Kaffee kocht, putzt oder aufräumt, so an, als würde man etwas Wichtiges tun und das eigene Wohlbefinden wird gesteigert. Das schlechte Gewissen, die eigentliche wichtigere Aufgabe nicht rechtzeitig erledigt zu haben, folgt erst später. Besonders anfällig für Prokrastination, auch Studentensyndrom genannt, sind Studenten und Freiberufler, welchen von Niemandem über die Schulter geschaut wird. Betroffene erkennt man oft an dem Häufen von Ausreden in Form von „Ja, aber..“-Sätzen.

Im Allgemeinen ist die Weitläufigkeit von Prokrastination persönlichkeitsbedingt und kann schnell zu einem nicht endenden Teufelskreis führen. Ausschlaggebend für dieses Verhalten sind unklare Prioritäten, schlechte Organisation, impulsives Verhalten, unrealistische Zielsetzung, falsche Zeitplanung, mangelnde Sorgfalt und Selbstkontrolle sowie die Vermeidung von negativen Gefühlen wie Langweile oder der Angst, nicht zu genügen. Perfektionismus und Pessimismus stehen bei der Erledigung von Aufgaben ebenfalls im Weg. 

Zwar ist Prokrastination keine psychische Krankheit, sondern vielmehr eine Arbeitsstörung bzw. eine schlechte Arbeitsgewohnheit, kann jedoch durch den Selbstbetrug trotzdem zu krankhaften Zuständen führen. Es wurde beobachtet, dass Handlungsaufschub einem generell weniger Erfolg garantiert und somit die finanzielle Situation und dadurch die Zufriedenheit sich verschlechtert. Neben häufig eintreffenden Depressionen leiden Betroffenen teilweise auch verstärkt an Erkältungen, Grippe, Magenproblemen, Schlafstörungen und konsumieren vermehrt Alkohol. Was können Sie also gegen das Auftreten dieser Aufschieberei tun?

Hinterfragen Sie als erstes Ihr Ziel. Ist es wirklich sinnvoll und realistisch zu erreichen? Wenn Sie diese Frage bejahen und begründen können, sollten Sie sich fragen, was Sie dennoch davon abhält und wie Sie dieses Hindernis aus der Welt schaffen können. Wichtig ist es hierbei, dass Sie es langsam angehen, um weitere Überforderung und erhöhten Druck zu vermeiden. Zerstückeln Sie Ihre großen Aufgaben gegebenenfalls in kleine und setzen Sie sich konkrete Tages- oder Zwischenziele. Legen Sie sich zudem klare Arbeitszeiten fest und planen Sie diese exakt im Hinblick auf wann, wo und wie. Wenn Sie sich eine bestimmte Zeitvorgabe setzten, schaffen Sie die Aufgabe in der Regel auch in dieser Zeit. Bedenken Sie hierbei, dass Menschen meistens doppelt so lange für Ihre Aufgaben brauchen, wie sie zu Anfang denken. Setzen Sie sich für Ihre Arbeitszeit deutliche Startsignale, wie etwa vorher noch einmal zu lüften oder sich einen Tee zu kochen. Besonders wichtig ist, dass Sie Ihre Freizeit von Ihrer Arbeitszeit trennen und so beispielsweise während des Lernens nicht Ihre Nachrichten checken. Abends braucht der Körper eine gewisse Zeit, um sich zu erholen und nach einer geschafften Aufgabe sollten Sie sich selbst eine Belohnung gönnen. Insgesamt sollten Sie aber vor allem anfangen, Entscheidungen einfach zu treffen und Projekte abzuschließen, ohne das Ganze vorher tagelang zu überdenken und somit vor sich herzuschieben. Denn aus seiner Natur raus trifft der Mensch immer die beste ihm zur Verfügung stehende Wahl!

All diese Vorschläge können Ihnen helfen, Ihre Erledigungsblockade zu lockern und Ihre Aufgaben in Zukunft rechtzeitiger zu erledigen. Da jeder Mensch allerdings anders ist und seine Arbeit daher aus anderen Gründen verschiebt, hilft jedem ein anderes Vorgehen.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich gerne jederzeit an das Team von Rehbein personal coaching.