Der Chamäleon-Effekt

Hannes Rehbein

Je ähnlicher unser Gesprächspartner ist, desto sympathischer finden wir ihn. Da Menschen generell ein Bedürfnis nach Konformität verspüren, hat sich der sogenannte Mimikry-Automatismus entwickelt. Darunter versteht man die unbewusste Imitation von seinem Gegenüber bezüglich Mimik, Gestik und Sprache. Ebenso wie die Stimmung und Laune anderer auf Sie abfärbt, projizieren Sie auch die Körpersprache und Sprechweise während einer Interaktion. So werden in anderen Regionen Dialekte nachgeahmt, je nach Umfeld und Situation wird ebenfalls Satzbau, Rhythmus, Tempo, Tonlage und Wortschatz des anderen übernommen.

Forschungen haben ergeben, dass beispielsweise Ehepartner sich nach einer gewissen Zeit immer ähnlicher werden und sich aneinander anpassen. Oft ist dies für das Paar ein Indiz für eine gut funktionierende Ehe. In vielen anderen Situationen konnte das Phänomen der Imitation, der sogenannte Chamäleon-Effekt, beobachtet werden. Das einfachste Beispiel ist wohl das Kopieren der Eltern, welches bei aufwachsenden Kindern auffällt. Durch Nachahmen der fröhlichen, traurigen, oder wütenden Gesichtsausdrücke lernen Kleinkinder schon im frühen Alter die Anpassung an die Gesellschaft sowie die Kommunikation. Wenn Menschen bei einem Fußballspiel oder etwa beim Armdrücken zuschauen, spannen sich die entsprechenden benutzten Muskeln auch bei Ihnen an. Sie imitieren die Wettkämpfer, ohne selbst zu interagieren. Oftmals reicht allein das Lesen von Worten wie „laufen“, um die Muskeln aktiv werden zu lassen. Bei sich selbst haben Sie sicherlich schon einmal beobachtet, dass Sie Ihr Essverhalten Ihrem Gegenüber anpassen, egal ob Sie hungrig oder satt sind. Greift der andere ordentlich zu, essen auch Sie eher viel, als wenn dieser nur kleine Häppchen nimmt.

Mit dem Chamäleon-Effekt können Unternehmen Ihren Profit steigern: Kellnerinnen bekommen beispielsweise mehr Trinkgeld, wenn sie die Bestellung nach der Aufgabe noch einmal wiederholen, denn das macht sie sympathischer. Wer einen Vertreter sympathisch findet, kauft ihm auch eher etwas ab. 

Der Chamäleon-Effekt wird vermehrt in Situationen wahrgenommen, in denen Menschen Anschluss suchen oder in denen es um persönliche Themen gibt. Grund dafür ist hierbei das Bedürfnis nach Konformität, welches für viele die Grundvoraussetzung für Zugehörigkeit ist. Da die Hirnareale für Wahrnehmung und für Motorik eng miteinander verbunden sind, werden die entsprechenden Bereiche im Gehirn bei der passiven Wahrnehmung aktiv und senden Impulse für unsere eigene Bewegung. Dies erfolgt über die sogenannten Spiegelneuronen. Die äußere Wahrnehmung hat also direkten Einfluss auf das motorische System.

Viele Phänomene von Mimikry sind noch tief in unseren Wurzeln verankert. Denn früher wurde mithilfe von Bewegung kommuniziert, sodass Mimik und Gestik noch heute stark mit dem Gesprochenen verknüpft sind. Dementsprechend projizieren wir nicht nur das verbale, sondern auch das non-verbale unseres Gegenübers. Für den Steinzeitmenschen ergab Imitation in vielen weiteren Punkten noch mehr Sinn. Wenn ein anderer der Gruppe flüchtete, gab es dafür meist auch einen guten Grund, und alle anderen liefen - ohne große Überlegungen - hinterher. Dass Ehepartner sich mit der Zeit immer ähnlicher werden, liegt daran, dass die dauernde Imitation des anderen die eigenen Muskeln stärkt und somit den Gesichtsausdruck sogar teilweise verändert. 

Mimikry erfolgt bei Menschen unbewusst. Doch durch bewusste Imitation des Gegenübers kann der Gesprächspartner Sympathie spüren. Sind zwei Menschen zu unterschiedlich, führt dies zu Antipathie. Wenn Sie es schaffen, ohne den anderen nachzuäffen oder lächerlich zu machen, jemanden vorsichtig zu imitieren, kann dies die Gesprächsqualität enorm verbessern. Seien Sie bei der bewussten Imitation jedoch immer behutsam, denn niemand möchte nachgemacht werden.

Bei weiteren Fragen steht Ihnen das Team von Rehbein personal coaching jederzeit gerne zur Verfügung.


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