Das Metamodell der Sprache: Teil 3 von 4 - Verzerrung

Verzerrung

Jeder Mensch betrachtet die Welt mit anderen Augen. Ein und dieselbe Aussage kann komplett verschieden aufgefasst werden. Ein bekanntes Beispiel ist die Aussage „Weil ich ihn lange wach gehalten habe, konnte er heute nicht zum Sport fahren“. Liegt es daran, dass er zu wenig schlaf hatte und müde war, dass er nicht zum Sport fahren konnte? Liegt es daran, dass der Schlaf nicht erholsam war oder ist es lediglich eine Ausrede? Das Metamodell der Sprache hilft, die Sichtweise des Anderen zu verstehen, um somit Konflikte und Fehlinterpretationen zu vermeiden.

Während es bei der Generalisierung darum geht, dass Aussagen verallgemeinert werden (siehe den Blogartikel „Das Metamodell der Sprache: Teil 2 von 4 - Generalisierung“ http://www.hannesrehbein.de/neues/2015/9/1/das-metamodell-der-sprache-teil-2-von-4-generalisierung), geht es bei der Verzerrung darum, dass der Redner einen direkten Zusammenhang zwischen zwei Menschen oder sich selbst und einer anderen Person sieht. Hier soll das Metamodell der Sprache zum Hinterfragen genutzt werden, um Tiefenstruktur zu lösen.

Bei der Verzerrung geht es um beziehungsspezifische Aussagen des Redners. Diese werden in fünf Teile unterteilt.


Ursache und Wirkung: Es wird behauptet, dass eine Aktion eine Reaktion auslöst. Das Metamodell zielt darauf ab, den Zusammenhang aufzulösen und neue Wahlmöglichkeiten zu schaffen.

Beispiel: „Seine leeren Versprechungen machen mich wütend!“

Metamodellfrage: Wie genau führen die leeren Versprechungen dazu, dass du wütend wirst?


Umgekehrte Ursache und Wirkung: Der Redner behauptet, dass sein eigenes Verhalten dazu führt, dass sich eine andere Person entsprechend fühlt. Das Metamodell wird hier so eingesetzt, dass die Aussage angezweifelt wird.

Beispiel: „Meinetwegen ist er krank.“

Metamodellfrage: Was glaubst du, hast du gemacht, dass er krank wurde?


Gedankenlesen: Beim Gedankenlesen behauptet der Redner, dass er weiß, wie und was der andere denkt. Die Metamodellfrage soll aufdecken, aufgrund welcher Wahrnehmung jemand Gedanken liest.

Beispiel: „Der Arbeitskollege hat ein gutes Bild von mir.“

Metamodellfrage: Woher weißt du, dass er ein gutes Bild von dir hat?

Dasselbe gilt ebenfalls im umgekehrten Fall.

Beispiel: „Mein Arbeitskollege sollte wissen, dass ich ein gutes Bild von ihm habe!“

Metamodellfrage: „Woher sollte er das wissen?“


Komplexe Äquivalenz: Hier wird behauptet, dass eine Tatsache automatisch eine Schlussfolgerung mit sich zieht. Das Metamodell zielt drauf ab, diese Verknüpfung zu lösen.

Beispiel: „Du willst unbedingt abnehmen, deswegen kochst du zu Hause auch für mich nichts.“

Metamodellfrage: Bedeutet es zwangsweise, dass wenn ich zu Hause für dich nichts koche, ich abnehmen will?


Vorannahmen: Bei Vorannahmen und Glaubenssätze gibt der Redner, oft nicht bewusst und nicht explizit, Äußerungen von sich. Die Metamodellfrage hinterfragt die Aussage.

Beispiel: „Du bist genauso kindisch wie dein Bruder!“

Metamodellfrage: Woher weißt du, dass mein Bruder kindisch ist?


Diese Fragestellungen helfen dabei, dass der Redner seine eigene Denkweise hinterfragt und somit sowohl seine Tiefenstruktur präsentiert und diese Struktur gegebenenfalls überdenkt. 

Im nächsten Blogeintrag wir das Thema Metamodell weiter betrachtet. Der letzte Gestaltungsprozess, die Tilgung, steht dabei im Fokus.