Gefährliche Süßstoffe

Vielen Produkten werden heute künstlich hergestellte Süßstoffe zugesetzt. 

Süßstoffe sind synthetisch hergestellte oder natürliche Ersatzstoffe für Zucker, welche eine wesentlich stärkere Süßkraft besitzen. 

Süßstoffe haben meist keinen oder nur einen sehr geringen physiologischen Brennwert. Aufgrund dessen werden entsprechende Produkte oft als gesunde und kalorienarme Alternative zu zuckerhaltigen Produkten angepriesen. Eine Vielzahl an Produkten wird offensiv auf diese Art und Weise beworben. Viele Erfrischungsgetränke und Limonaden, zuckerfreie Kaugummis und Süßigkeiten, sind mit künstlichen Süßstoffen versetzt. 

Allerdings sind Süßstoffe auch in vielen weiteren Produkten enthalten, in welchen man diese nicht unbedingt erwartet, so z.B. in Zahnpasta, Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln, Fertigobstmischungen und diversen Fertiggerichten. Dabei kommen eine Vielzahl verschiedener Süßstoffe zum Einsatz, z.B Saccharin, Sucralose und Aspartam.

Die Süßkraft von Süßstoffen wird immer auf den Einfachzucker Saccharose bezogen, welcher demnach die Süßkraft 1 besitzt. Entscheidend für die Wirkung eines Süßstoffes ist seine chemische Struktur. Diese muss zu den menschlichen Geschmacksrezeptoren passen. Süßstoffe sind dabei jedoch geschmacklich um ein Vielfaches süßer als Zucker und besitzen ungefähr die 30-13.000 fache Süßkraft von Saccharose.

Ebenso wie der Süßstoff Saccharin wurde auch Cyclamat im Jahre 1937 zufällig bei der Suche nach einem fiebersenkenden Mittel entdeckt. In den beiden Weltkriegen ersetzten Süßstoffe teilweise den damals knappen Zucker. Für die Zuckerindustrie wurden Süßstoffe in den darauf folgenden Jahren zu einer echten Konkurrenz, da für die Industrie, durch den Austausch von Zucker gegen Süßstoffe, die Produktion vieler süßer Lebensmittel deutlich günstiger wurde.

 

Israelische Forscher um Eran Elinav haben sich diesem Thema nun genauer angenommen und im Tierexperiment die Wirkung von Süßstoffen auf den Glukosestoffwechsel untersucht. Die Forscher versetzten das Trinkwasser von Mäusen mit Saccharin, Sucralose und Aspartam. Eine Kontrollgruppe erhielt zuckerhaltiges Trinkwasser, eine weitere Kontrollgruppe reines Trinkwasser. Bei den Mäusen, welche das süßstoffhaltige Trinkwasser erhielten, zeigte sich im Laufe von elf Wochen ein signifikanter Anstieg des Blutzuckerspiegels. Bei den beiden Kontrollgruppen zeigten sich keine derartigen Auswirkungen.

Die Forscher hatten im Vorfeld die Vermutung geäußert, dass sich die künstlichen Süßstoffe negativ auf die Darmflora, die Zusammensetzung der Bakterien im Darm und damit auf die Regulation des Blutzuckerspiegels auswirken könnten. In einem weiteren Experiment wurden daher verschiedene Bakterien in der Darmflora der Mäuse abgetötet, um deren Einfluss auf die Verstoffwechselung von Süßstoffen zu untersuchen. Der Konsum von Süßstoffen beeinflusste den Blutzuckerspiegel daraufhin nicht mehr.

Um die Auswirkungen im menschlichen Organismus zu untersuchen, folgte eine Untersuchung mit sieben Probanden, welche für die Dauer von einer Woche mit Süßstoffen versetzte Lebensmittel konsumierten. Wie im Tierexperiment zeigte sich auch hier nach einem Zeitraum von fünf bis sieben Tagen ein signifikanter Anstieg des Blutzuckerspiegels und eine veränderte Darmflora. 

Die Forscher gehen davon aus, dass der Konsum von Süßstoffen eine mögliche Glukose-Intoleranz fördert. Diese gilt als Vorstufe von Diabetes Typ 2. Dabei werden die Körperzellen immer unempfindlicher für das Hormon Insulin, welches daraufhin in immer weiter steigender Menge ausgeschüttet werden muss, um seine blutzuckersenkende Wirkung im Körper zu erzielen. Langfristig kann es dadurch zu einer vollkommenen Erschöpfung der Bauchspeicheldrüse kommen, sodass der Einsatz von künstlich hergestelltem Insulin notwendig wird.

 

Über die Auswirkungen von Süßstoffen auf die Gesundheit wird in Wissenschaftskreisen schon sehr lange diskutiert. Künstliche Süßstoffe werden mit Gesundheitsrisiken wie Krebs, Diabetes und Übergewicht in Verbindung gebracht. Die EU-Lebensmittelbehörde (EFSA) geht bei den verzehrüblichen Mengen allerdings nicht von einem akuten Risiko für die Gesundheit aus.

Hierbei bleiben allerdings einige stoffwechselphysiologische Abläufe im menschlichen Körper unberücksichtigt. Führen wir uns zuckerhaltige Lebensmittel zu, so beginnt die Verstoffwechselung der zugeführten Kohlenhydrate bereits im Mund. Der Körper produziert vermehrt Speichel und beginnt bereits im Mund mit einer ersten Aufspaltung der Zuckermoleküle. Die Zuckermoleküle werden über den Magen-/Darmtrakt weiter verstoffwechselt und vom Körper aufgenommen. Die Zuckermoleküle treten in die Blutbahn über und sorgen hier für einen Anstieg des Blutzuckerspiegels. Um den erhöhten Blutzuckerspiegel daraufhin wieder zu normalisieren, reagiert der Organismus mit der Ausschüttung des Hormons Insulin. Das ausgeschüttete Insulin hat in diesem Fall eine Speicherfunktion und transportiert die Zuckermoleküle aus der Blutbahn zu den Körperzellen.

Die Insulinausschüttung wird aber bereits prophylaktisch durch den ersten Kontakt mit dem Geschmack Süß im Mund aktiviert, um den Stoffwechsel auf die kurze Zeit später folgenden Kohlenhydrate vorzubereiten.

Hier besteht nun auch die Problematik beim Einsatz von künstlichen Süßstoffen. Diese besitzen eine erheblich stärkere Süßungskraft als natürliche Süße und sorgen durch den starken süßen Geschmack im Mund bereits für eine vermehrte Ausschüttung des Hormons Insulin. Da die Süßstoffe allerdings künstlich hergestellt sind und keine Energie in Form von Zuckermolekülen enthalten, läuft die im Körper gestartete Insulinausschüttung ins Leere. Der Körper senkt mit der Insulinauschüttung den Blutzuckerspiegel unter das Normalmaß ab. Dies hat im menschlichen Körper eine appetitanregend Wirkung. Der Mensch verlangt nach mehr zuckerhaltigen Lebensmitteln und führt sich damit mehr Energie zu, als er eigentlich benötigt. 

Dieser Effekt wird zum Beispiel auch in der Tiermast genutzt, um ein schnelles Wachstum der Tiere zu begünstigen. Das Tierfutter wird mit künstlichen Süßstoffen versetzt, um den Appetit der Tiere anzuregen und so eine möglichst schnelle Gewichtszunahme zu erreichen.

Diese Effekte wurden auch durch das britische Forscherteam Blundell und Hill 1986 untersucht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Testpersonen nach dem Trinken von mit Süßstoffen angereichertem Wasser über stärkere Hungergefühle berichteten, als eine entsprechende Kontrollgruppe.

Auch der Wissenschaftler Yang stellte 2010 die Hypothese auf, dass die sensorische Komponente (süßer Geschmack) ohne die entsprechende zugeführte kalorische Komponente (energiereiche Moleküle im Blut) das Belohnungssystem des Gehirns nur teilweise aktiviert. Der süße Geschmack beeinflusst das mesolimbische Dopaminsystem, die zugeführte Energie den Hypothalamus. Dies könnte laut Yang dazu führen, dass das Nahrungssuche-Verhalten, unabhängig von dem tatsächlich benötigten Energiebedarf, verstärkt aktiviert wird, um die fehlende Komponente auszugleichen. 

Ein eintretender Gewöhnungseffekt könnte dazu führen, dass das mesolimbische System immer schwächer auf den süßen Geschmack reagiert, was langfristig in einer zunehmenden Steigerung der Aufnahme süßer Nahrungsmittel münden könnte.

Obwohl durch die Gesundheitsbehörden der Konsum als unbedenklich eingestuft wird, ist von dem Konsum von Süßstoffen unbedingt abzuraten.

Künstlich hergestellte Süßstoffe verändern das natürliche Hungerempfinden und sorgen damit für eine vermehrte Energieaufnahme, welche in einer übermäßigen Speicherung von Körperfett resultiert. Damit tragen auch Süßstoffe zum einem vermehrten Auftreten von Übergewicht bei.

Zusätzlich sorgen Süßstoffe für starke Schwankungen im Blutzuckerhaushalt und für einen generellen dauerhaften Anstieg der mittleren Blutzuckerwerte. Durch permanent ausgeschüttetes Insulin wird der Körper über lange Phasen des Tages in einen Speichermodus versetzt, welcher den Abbau von überschüssigem Körperfett erschwert.