Rehabilitationstraining bei Arthrose

Der Begriff Arthrose (Arthrosis deformans) leitet sich von dem griechischen Wort arthros (Gelenk) ab.

Bei einer Arthrose handelt es sich um eine degenerative Gelenkerkrankung, die vorwiegend bei einem Missverhältnis zwischen Beanspruchung und Belastbarkeit der einzelnen Gelenkanteile entsteht. Die Arthrose ist in der heutigen Zeit die häufigste Gelenkerkrankung.

Die über ein Gelenk miteinander verbundenen Knochen sind an den sich berührenden Bereichen in Form einer dünnen Schicht mit einem Gelenkknorpel überzogen. Der Knorpel absorbiert in das Gelenk eingeleitete Stoß- und Kompressionskräfte, welche ansonsten direkt auf den Knochen einwirken würden. Zusätzlich bildet der Knorpel die Grundlage für eine möglichst reibungsarme Gelenkbewegung. Um den Bewegungsablauf zu unterstützen wird in der umschließenden Gelenkkapsel die sogenannte Synovialflüssigkeit gebildet, eine nährstoffreiche Gelenkschmiere.

Diese legt sich wie ein dünner Film über den Gelenkknorpel und verringert so den Reibungswiderstand.

Zusätzlich sorgt ein dynamischer Wechsel von Be- und Entlastung im Gelenk dafür, dass der Knorpel durchwalkt wird und sich wie ein Schwamm mit Synovialflüssigkeit vollsaugen kann. Hierbei wird einerseits der Knorpel mit Nährstoffen versorgt, andererseits nimmt das Volumen des Knorpels durch eine Aufnahme der Synovialflüssigkeit deutlich zu. Der Knorpel kann dann Druckbelastungen besser aufnehmen und wird belastbarer.

Häufig ist die Ursache, neben dem natürlichen Alterungsprozess, in einer mechanischen Über- und Unterbelastung des Knorpelgewebes zu finden. Gerade Menschen, welche sich in ihrem Alltag nur noch eingeschränkt bewegen und nicht das volle Bewegungspotential ihrer Gelenke ausnutzen, haben mit einem dramatischen Abbau der Knorpelsubstanz zu kämpfen.

Es zeigt sich, dass es in nicht alltäglichen Gelenkstellungen schnell zu einer Unterforderung des Knorpelgewebes kommen kann. Für den Erhalt ist die Knorpelsubstanz daher auf regelmäßige trainingswirksame Belastungsreize angewiesen. Bleiben diese Reize aus, führt dies nach längeren Zeiträumen der Unterforderung zu einer Erweichung der Knorpelsubstanz. Dies tritt vor allem sehr häufig in den Endwinkeln des Gelenkes auf. Im Kniegelenk machen sich diese Beschwerden dann in besonders tiefen Beugewinkeln bemerkbar, zum Beispiel während des Aussteigens aus dem Auto. Viele Menschen berichten ebenfalls über warme bis heiße Knie nach längerer Belastung oder über brennende und stechende Schmerzen im Bereich des Kniegelenks. Bei länger anhaltenden Beschwerden ist oftmals eine Arthrose der Auslöser der Symptome. Weitere Ursachen einer Arthrose können entzündliche rheumatische Erkrankungen und Stoffwechselstörungen sein.

Um die Schwere einer Knorpeldestruktion zu bewerten, wird die Arthrose grundsätzlich in vier Grade eingeteilt:

Grad 1:

  • Es besteht eine Erweichung des Gelenkknorpels ohne weitere Schädigung wie Auffaserung oder Einschnitte

Grad 2:

  • Die Knorpeloberfläche fasert zunehmend auf. Es entstehen multiple Fissuren, welche die Hälfte der Knorpelschichtdicke betrifft.

Grad 3:

  • Die Fissuren und Risse nehmen weiter zu und reichen bis zum subchondralen Knochen, wobei der Knochen selbst noch nicht frei liegt.

Grad 4:

  • Der Knorpel ist vollständig aufgebraucht und der subchondrale Knochen liegt frei.

 

Da der erste Schweregrad der Arthrose fast nie eine Beschwerdesymptomatik aufweist, wird die Arthrose anhand des klinischen Erscheinungsbildes und der entsprechenden Begleitsymptomatik in drei Stadien eingeteilt. Die Übergänge dieser drei Stadien sind fließend:

Arthrosestadium 1:

  • röntgenologisch nachweisbare Gelenkspaltverschmälerung
  • belastungsabhängige Schmerzen
  • reflektorische Muskelverspannungen
  • verminderte Gelenkbeweglichkeit
  • verändertes Bewegungsverhalten (Schonhaltung)
  • zunehmende Gelenkinstabilität

Arthrosestadium 2:

  • röntgenologisch nachweisbare subchondrale Sklerosierung (tiefe Risse im Knorpel und Verdichtung des Knochens unter dem Gelenkknorpel)

  • Schmerzen bei unbelasteten und passiven Bewegungen (Kapselschmerz)

  • Einlaufschmerz (Schmerz zu Bewegungsbeginn)

  • Kälteschmerz

  • Kontrakturen (spezifisches Kapselmuster)

  • Kraftlosigkeit

Arthrosestadium 3:

  • röntgenologisch nachweisbare Geröllzysten und Knochenanbauten (Osteophyten)

  • Entzündung der Gelenkstrukturen mit Weichteilschwellung

  • Gelenkerguß

  • morgendliche Gelenksteifheit

  • Ruhe-, Dauer- und Nachtschmerz

  • deutliche Muskelathrophien

  • gesteigerte Gelenkinstabilität

  • zunehmenden Gelenkkontrakturen bis hin zu steifen Gelenken (Endstadium)

In der Theorie geht man bisher davon aus, dass eine Heilung von Arthrose nicht möglich ist. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Patienten, welche einen ganzheitlichen Behandlungsansatz verfolgen, erzielen häufig sehr gute Ergebnisse. Sie können größtenteils ein weiteres Fortschreiten der Arthrose verhindern und sogar einen Zustand der vollkommenen Schmerzfreiheit erzielen.

Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die regelmäßige dosierte und an die individuelle Ausgangssituation angepasste Belastung. Ein leichtes Bewegungstraining, zum Beispiel ein Training auf dem Ergometer im Falle einer Kniegelenksarthrose, sorgt dafür, dass die Produktion der Synovialflüssigkeit angeregt wird. Diese dient dem Gelenk als Gelenkschmiere und bildet einen Gleitfilm auf der Knorpeloberfläche. Eine regelmäßige Belastung sorgt für ein vermehrte Produktion von Synovialflüssigkeit im Gelenkspalt. Die Knochenende sind überzogen von hyalinem Knorpel. Durch leichte dynamische Belastung wird dieser Knorpel durchgewalkt und saugt sich vermehrt mit Synovialflüssigkeit voll. In Ergänzung mit einem nach individuellen Voraussetzungen angepassten Krafttraining, kann es dadurch zu einer nicht unerheblichen Volumenzunahme des Gelenkknorpels kommen. Durch diese Zunahme wird der Knorpel für einen Zeitraum von mehreren Stunden deutlich belastbarer und kann Druckbelastungen besser aufnehmen. 

Patienten berichten nach einem moderaten Training sehr häufig von einer Schmerzfreiheit, welche meistens für 12 bis 48 Stunden anhält. Wird ein Training in regelmäßigen Abständen durchgeführt, kann dies zu einer über lange Zeiträume andauernden Schmerzfreiheit führen.

Häufig wird von Medizinern leichtfertig eine operative Therapie vorgeschlagen, zum Beispiel die Einbringung von Hyaluronsäure in das Kniegelenk oder eine Knorpelglättung. Die Praxis zeigt jedoch, dass nur in sehr wenigen Ausnahmefällen eine operative Behandlung tatsächlich notwendig ist. Dies ist zum Beispiel im Fall von schweren Gelenktraumata indiziert, wenn durch schwere Unfallverletzungen Knorpelabsplitterungen im Gelenk entstanden sind, welche die noch vorhandene Knorpelsubstanz schädigen könnten. Ein operativer Eingriff in den Körper sollte nicht leichtfertig durchgeführt werden, zumindest solange nicht, bis alle konventionellen Ansätze ausgeschöpft sind.

Meistens ist eine konventionelle Behandlung, unterstützt durch ein Aufbautraining in Kombination mit einer Ernährungsumstellung, zielführender. Auf diese Weise wird die Nährstoffversorgung des Knorpels verbessert, Entzündungsprozesse im Gelenk reduziert und die Selbstheilungskräfte des Körpers wieder aktiviert.